Geschichte

Kurzer geschichtlicher Rückblick


Die gefundenen Baureste auf der «Bölli» beweisen, dass bereits die Römer in unserer Gemeinde wohnten. Dass eine römische Landstrasse unser Gemeindegebiet in ost-westlicher Richtung durchquerte ist durch verschiedene Funde auch bestätigt. Einige Funde stammen sogar aus prähistorischen Zeiten. Der Name Rümlang entwickelte sich eindeutig aus der Benennung der im 7. Jahrhundert entstandenen alemannischen Siedlung. Die älteste überlieferte Ortsbezeichnung stammt aus dem Jahre 924 und lautet Rumilinswanc, eine spätere «Rumelanc». Der erste Teil dieser Ausdrücke deutet auf den altdeutschen Personennamen «Rumilo» hin. Es wird vermutet, dass der Anführer der in unserer Gemeinde niedergelassenen Sippe so hiess. Der zweite Teil kommt von «wang», was Wiesenhalde, Grashang bedeutet. Rümlang lässt sich also umdeuten in «Grashang des Rumilo».


Unser Gemeindewappen trägt auf rotem Grund die obere Hälfte eines angriffsbereit aufgebäumten, weissen Einhorns. Es erinnert an die Ritter von Rümlang, welche seit Beginn des 14. Jahrhunderts ihre Schilder und Helme mit diesem Fabeltier geschmückt haben. Im Jahre 1424 erschien das Einhorn im Wappen der Obervogtei Rümlang. Bereits 1508 wurde es dann zum Wappentier unseres Dorfes. Eine Wappenscheibe unserer Gemeinde aus diesem Jahr ist in das Chorfenster der reformierten Kirche eingesetzt.



Kleinjogg


Ein altes Bauernhaus, welches im Weiler Katzenrüti steht, trägt eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

«In diesem Hause wirkte der Musterbauer Jakob Gujer, genannt Kleinjogg, 1769 bis 1785 für eine vorbildliche Erneuerung der zürcherischen Landwirtschaft.»

Jakob Gujer wurde 1716 als fünftes Kind einer Bauernfamilie in Wermatswil bei Uster geboren. Da bereits sein ältester Bruder Jakob hiess, erhielt der jüngere zur Unterscheidung der beiden Buben den Rufnamen Kleinjogg. Im Alter von 20 Jahren übernahm er aus dem väterlichen Erbe einen Hof von 70 Jucharten. Mit Fleiss und Ausdauer versuchte er die damals veraltete Betriebsweise zu verbessern. Statt das Vieh vom Frühjahr bis zum Herbst weiden zu lassen, behielt er es im Stall, um den für die Äcker so notwendigen Dünger zu vermehren. Die Fruchtbarkeit der Erde erhöhte er durch das Mischen von verschiedenen Erdarten. Er entwässerte zu feuchte und bewässerte zu trockene Felder. Früh erprobte er den Anbau von Klee und Kartoffeln. Seine Felder gehörten bald zu den ertragreichsten des Landes. Die Zürcher Landesväter übertrugen ihm deshalb im Jahre 1769 die Bewirtschaftung des mehr als 200 Jucharten messenden und damals arg verwahrlosten Katzenrütihofes. Kleinjogg vermochte den Hof in erstaunlicher Weise zu sanieren. Ausser dem Erfolg löste auch Kleinjoggs Persönlichkeit Aufsehen und Bewunderung aus. Aus Erfahrung und eigenem Denken schaffte er sich Lebensregeln, die selbst gebildete Besucher überraschten und begeisterten.

Ein solcher Besucher, der Zürcher Stadtarzt Hirzel, verfasste 1761 ein Buch über Kleinjoggs Wirken und gab ihm den Titel «Die Wirtschaft eines philosophischen Bauers». Diese Arbeit und besonders die französische Übersetzung machten Kleinjogg bis weit über unsere Landesgrenze hinaus bekannt. Viele Schweizer und Ausländer kamen nach Katzenrüti, um ihn kennenzulernen. Der berühmte Pfarrer Lavater von Zürich beurteilte ihn überschwenglich als zuverlässig, lauter, rein, unbestechlich, selbständig, einfach, als einzig in seiner Art. Und der Dichterfürst Goethe, der zweimal in Katzenrüti war, rühmte ihn als «eines der herrlichsten Geschöpfe, wie sie diese Erde hervorbringt».

Das Haus, in dem Kleinjogg gewirkt hat, ist heute über 400 Jahre alt und steht unter Heimatschutz.


De glismet Chileturm

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts, wenn nicht schon früher, kam in Rümlang ein völlig unübliches Gewerbe auf. Nicht nur Frauen und Kinder, auch Männer strickten grobe, wollene Strümpfe. Hundert Jahre später gelangte diese Beschäftigung sogar zu hoher Blüte, denn die Bauern trugen damals zu ihren Kniehosen Strümpfe aus Zwilch. Weil letztere aber schwierig anzuziehen waren, zog man nun die elastischen Strickwaren vor. Die Rümlanger färbten die Wolle blau oder rot, dekatierten sie im «Kilchbrunnen» und liessen die fertigen Erzeugnisse von Hausierern verkaufen. Bei dieser Tätigkeit kam jedoch die Landwirtschaft zu kurz. Zur Betreuung der Güter fehlten die Arbeitskräfte, so dass viele Felder verödeten. Darüber empörte sich schon Kleinjogg, der Musterbauer. Etwa im Jahre 1775 pachtete er drei Jucharten vernachlässigten Ackerlandes und bepflanzte sie mit Esparsette, «um seinen Nachbarn ein Beispiel zu geben, wie sie ihre Güter zu Quellen wahren Reichtums machen könnten, wenn sie ihre elende Müssiggängerbeschäftigung (Stricken) mit Feldarbeit vertauschen würden».

Die etwas seltsame Beschäftigung der Rümlanger reizte die Spottlust aller Nachbargemeinden, und man neckte die Rümlanger Bauern, die ihre Felder verlottern liessen, sie hätten sogar ihren Kirchturm «glismet»!

Später entstand um den sprichwörtlichen «glismeten Chileturm» eine rührende Geschichte, die sich hartnäckig bis heute hält, aber nicht auf geschichtlichen Tatsachen beruht: Kurz nach 1800, als in den napoleonischen Kriegswirren fremde Heere auch Rümlang durchzogen und geplündert hätten, sei der Kirchturm abgebrannt – und da die Gemeindekasse leer gewesen sei, habe das ganze Dorf Strümpfe gestrickt, um den Turm wieder aufzubauen.

Im Laufe der Jahrhunderte entstand in Rümlang ein währschaftes Bauerndorf, dessen Einwohnerzahl sich 1900 - 1941 allmählich von 1029 auf 1156 erhöhte. Unter dem Einfluss der Stadt Zürich und des Flughafens stieg dann aber diese Zahl rasch an. Heute hat unsere Gemeinde rund 6'100 Einwohner. Aufgrund der starken Zunahme entstanden um den alten Dorfkern im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr moderne Wohnbauten samt den zugehörigen gewerblichen Betrieben. Trotz dieser starken Entwicklung ist der Dorfcharakter in unserer Gemeinde erhalten geblieben.



Dorfchronik


Weitere Angaben zur Geschichte von Rümlang sind in der Chronik "Rümlang - ein Dorf mit Geschichte" von Hans Peter Treichler aus dem Jahre 1996 enthalten. Die Chronik kann auf der Gemeindeverwaltung bezogen werden.




 
    
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